Freitag, 8. Dezember 2017

Prägung.........

Mal schauen, ob mir in diesem Post gelingt, zu erklären, was ich mit dem Stichwort in der Überschrift sagen möchte
 
Ich war wohl schon immer ein kreativer Mensch - in meinem Kopf hatte ich immer tausend Bilder, Ideen, (neudeutsch) Projekte, die ich unbedingt verwirklichen wollte. Und meiner Meinung nach, kann JEDER Mensch kreativ sein - man / Frau muss sich einfach nur trauen. Selbst "nur" in der Dekoration kann man kreativ sein - und Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Ein ganz kleines Beispiel: ein Bündel altes beschriebenes oder auch bedrucktes Papier ist erstmal nur ein Bündel Papier. Das kann man nun einfach im Schrank verstauen bis man es dann mal braucht oder eben auch wie im vorbeigehen irgendwo "hinschlenzen". Der eine sagt: räum ich noch auf - der andere sagt: genau so, wie es da liegt finde ICH das dekorativ - egal, was andere denken!
 

 Jeder erklärt doch erstmal: ICH kann  NICHT malen - wie viele von uns haben sich in der Schule vor dem Kunstunterrichtig gegraust. Da wurden stundenlang irgendwelche "alten Schinken" seziert, dann gab es die Aufgabe: MALT DAS NACH - was ja ohnehin schon Unfug ist, weil wir garnicht die Materialien dafür hatten, womit der echte Meister sein Kunstwerk erschaffen hatte. Wir lebten auch in einer ganz anderen Zeit und wir waren doch noch Kinder. Dann quälte man sich einen ab - und bekam eine Benotung, die sich uns oft nicht erschloß und uns eher noch bestärkt hat: WIR können NICHT malen. Wer nimmt da jemals wieder Stift und Farbe zur Hand. NIEMAND, man schämt sich ja vor sich selbst. GENAU SO kappt man in meinen Augen bereits bei Kindern ihre natürliche Kreativität die wir uns als Erwachsene nur in den seltensten Fällen dann mühsam zurückerobern. Ich selbst hatte das große Glück, dass meine Mutter wirklich ALLES gefördert hat, was im weitesten Sinne mit Kreativität zutun hatte. Von ihr lernte ich u.a. auch Handarbeiten: nähen, stricken, häkeln


Das Meiste brauchte sie nichtmal zu erkären - sie hatte sowieso immer irgendeine Handarbeit in "der Mache" und ich hab mit Begeisterung ihr zugeschaut. Waren wir auf dem Spielplatz, saß sie mit einer Handarbeit da. Häufig hab ich mich zu ihr gesetzt - wir haben wenig geredet - ich hab einfach nur dem Nadelspiel zugeschaut und hab gestaunt, wie flucks die Maschen über die Nadeln gehüpft sind. In schiere Bewunderung bin ich dann ausgebrochen, wenn sie "blind" gestrickt hat - DAS wollte ich auch können! Selbst die Nähmaschine bedienen hab ich mir von ihr einfach nur abgeschaut. Hab mir gemerkt, wie der Faden eingefädelt werden muss, wie sie die Fäden einfach nur immer mit einem mächten Ruck abgerissen hat. Selbst das hab ich mir abgeschaut - ich mach das heutzutage genauso............oder wie sie den Faden vom Strickgarn über den Finger hat gleiten lassen - mach ich genauso. Obwohl es eigentlich falsch ist. Das ist keine Genetik, das ist PRÄGUNG. Sie hatte auch immer mehr Vorräte an Stoffen, Garnen, Knöpfen usw. als sie je hätte verarbeiten können: geht mir genauso!!! Und schon als kleines Mädchen stand ich oft vor dem Schrank mit den schönen Stoffen und konnte sie stundenlang betrachten. Hab gestaunt, wie unterschiedlich die Stoffe sein können - von der Webart her. Etwas, dass ich bis heute noch in mir habe - was staune ich oft über die alten Stoffe - (zuoberst) alles altes Leinen - aber so unterschiedliche Qualitäten.


Genauso bei den Knöpfen: Klar, ein Knopf ist ein Knopf ist ein Knopf ist ein Knopf - und doch wieder nicht. Knöpfe können Geschichten erzählen - vor allem, wenn es Knöpfe sind, die ein Motiv haben, wie diese alten Livree-Knöpfe. Mal zierten sie eine Uniform, mal die Jacke eines Lakaien, mal hielten sie die Schürze einer reichen Gutherrin am rechten Fleck usw. Und bin ich unterwegs - ob nun auf einem Streifzug durch Antiquitätenläden, Trödler oder auch über die Märkte. Seh ich irgendwo eine Schachtel mit alten Knöpfen stecke ich schon kopfüber in der Schachtel und suche nach Knopfschätzen.



Wir hatten mal eine alte Livree aus Frankreich mitgebracht - ich glaube, sie hielt mehr aus Gewohnheit als an den Nähten zusammen. unendliche Male war sie geflickt worden. Also edel konnte der Lakai zum Schluss damit nicht mehr ausgesehen haben. Aber für mich war die Levree ein wahrer Schatz: ich hab natürlich die Knöpfe abgetrennt und vor allem auch die Silberborte. Völlig egal, wie klein die einzelnen Stücke waren - cm für cm wurde die Borte gerettet.



Alleine schon die Borte zu berühren: das feine Metall zwischen den Händen zu fühlen, den zarten Glitzer zu sehen, wenn das Licht entsprechend auf die Borte fällt. Ich finde das faszinierend.



Und vermutlich ist es auch Prägung, Im Hinterkopf zu haben, dass man aus jedem Stück noch was machen kann oder es noch irgendwann brauchen könnte. So, wie mein Großvater wirklich JEDEN Nagel, den er aus einem Brett gezogen hat, wieder gerade gehämmert hat, jede olle Schraube nochmals vom Rost befreit und in einer Schachtel gesammelt hat, jedes noch so kleine Holz aufgehoben hat: "das kann man bestimmt noch brauchen"!..........so fällt es mir heute schwer, alte Textilien einfach so zu entsorgen. Man / Frau kann bestimmt noch was draus machen!



Ja, kann man / Frau!: Aus dem Saum von einem antiken Chorhemd, das ansonsten schon  sehr fadenscheinig war, wurde ein "neuer" Kragen für die kleine Büste. Neu deswegen, weil den ehemaligen Kragen eine liebe Kundin mir abgekauft hatte. Und ganz nackig sollte das Püppchen ja am Hals nicht bleiben. Und so ist heute morgen ein neuer Kragen entstanden.



Solche Näharbeiten mache ich besonders gerne auch morgens - die Büroarbeit ist erledigt aber zum Fotos machen ist das Licht noch zu fahl. Also rattert die alte Maschine laut vor sich hin. Übrigens: auch wenn die Fotos immer aussehen wie "geleckt" - eine andere schlechte Angewohnheit / PRÄGUNG hab ich auch von meiner Mutter übernommen: reisse ich einen Faden ab, fliegt er flucks auf den Boden, kleine Stoffschnipsel, die beim Zuschneiden entstehen, fliegen auf den Boden. Wenn ich die alten Leinensäcke auftrenne und die kleinen Fädchen aus dem Stoff ziehen muss wie Gräten bei einem Fisch, dann fliegen sie (die Fädchen nicht die Gräten!) auf den Boden. Erst, wenn ich mit der Arbeit fertig bin, wird dann alles aufgefegt. Also keine Sorge - wir leben hier wie jeder andere normale Mensch auch!



Genauso ist es mit dem fotografieren: Ich hab nie begriffen, was es mit Brennweite, Belichtungszeiten, Perspektiven, Makro oder Weitwinkel auf sich hatte. Der erste Mensch, der versucht hat, es mir zu erklären, war mein Vater und hat es irgendwann aufgegeben, mir zu erklären - ich konnte es mir einfach nicht merken. Er hatte noch eine Kamera, die er wie einen heiligen Schatz an einem langen Lederband um den Hals getragen hat. Es war fast schon ein Feiertag, wenn wir als Kinder die Kamera mal halten und auf den Auslöser drücken durften. Ich aber war fasziniert, wie man Licht und Schatten, Stimmungen mit der Kamera einfangen konnte. Mir gefielen meist die Fotos am besten, die NICHT perfekt waren. Die mein Vater aussortiert hat mit den Worten:"das ist nichts geworden, weg damit".



Und ich?:"dann gib es mir!" .........."was willst Du damit, das fliegt ja doch nur rum"............ich habe diese Bilder tatsächlich aufgehoben - in einer schönen Schachtel verwahrt. Erst Jahre später ist diese Schachtel leider verschütt gegangen. Aber seine Freude am fotografieren, die hat sich auf mich übertragen. Noch heute begreife ich das mit den Blichtungszeiten, etc. nicht. Ok, vieles können die Cameras ja heute auch von alleine. Man hat ja schon einen kleinen Computer heutzutage in der Hand - sieht auf einem kleinen Display sofort, wie das Foto ungefähr geworden ist. Nicht erst, wenn der Film nach gefühlten Ewigkeiten aus dem Labor zurück ist, wie damals. Trotzdem ist es auch heute noch eine Überraschung, was so manchmal als Ergebnbis entsteht. Einfach durch ausprobieren. Wenn im Raum ein bestimmtes Licht herrscht, wo man im ersten Moment denkt: das kann nichts werden (das Foto).



Und wie war das mit der Prägung? - meine Großmutter hat ja früher auch Marmelade eingekocht - naja, nicht nur Marmelade sondern auch Mus und vor allem auch eingeweckt. Wenn sie dann dabei war, stand am Ende die ganze Küche voll - mit den Mengen hätte man Kompanien versorgen können...........mein Opa wollte immer wegräumen, damit er wenigstens Platz zum Zeitung lesen hatte und sie hat dann gezetert: "Alfred (er hieß wirklich so!) lass das stehen, wenn ich schon die Arbeit hab, will ich am Ende auch sehen, was ich geschafft hab. Willste Zeitung lesen, geh nach draussen"..............im Ernst, die habe ich nie streiten sonst erlebt - also zumindest nicht so, dass wir das als Enkel sonst mitbekommen haben - aber, wenn es um diese Großaktionen ging, was hat sie sich dann aufgeregt. Sie war kaum größer als eine Parkuhr - aber dann wurde sie wutschanubend 3 Meter groß und hat sowas von gezetert. Hat noch geflucht, wenn Opa Alfred sich bereits aus dem Staub gemacht hatte. Und genau diese Szenen fielen mir gestern wieder ein.



Ich bin da ähnlich: wenn ich am werkeln bin und mehrere ähnliche Dinge mache - sozusagen "en block" oder auf einen Schwung - dann muss das auch immer schön erstmal beeinander bleiben. Kränze werden an einer Hakenleiste wie die Räucherwürste nebeneinander aufgehangen oder eben genähte Kissen erstmal gestapelt. Ich freu mich dann dran, was ich geschafft hab.



Ja, es ist schon verblüffend, wie man so geprägt wird. Aber auch, wie man sich selbst prägt. Vor ein paar Jahren - ich war noch ziemlich am Anfang, dass ich alten Weihnachtsschmuck gesammelt hab - da hatte ich eine Tür im Wohnzimmer aufgestellt und die paar Teilchen, die ich bereits hatte, an die Tür gebammelt. Hab immer weiter auf den Märkten gesucht und in der gesamten Weihnachtszeit die Tür immer weiter bestückt mit den gefundenen Schätzen. Hab damals im Spaß darüber geschrieben, dass ich die Tür wie einen Adventskalender ansehe. Nur, dass ich eben nicht Türchen öffne, sondern immer wieder "neue" Stücke dazu hänge. WEr den Post aus 2012 mal anschauen möchte, der KLICKT HIER   Und es ist schon komisch: diese "Marotte" hab ich bis heute beibehalten. Anfangs steht nur das "Gerüst" und über die Weihnachtszeit wird dann weiter hervorgekramt und ergänzt. Ich nenne das jetzt einfach mal "Selbstprägung" - vermutlich ein Wort, was es so garnicht gibt, aber gut umschreibt, was ich meine.



Und noch ein Wort zum Schluss zu meiner "Advents-Säule" auf dem Tisch aus dem letzten Post: Die bestellten langen schmalen Kerzen waren wirklich in "Lichtgeschwindigkeit" bei uns. Sowas hab ich noch nicht erlebt. Und die Brenndauer der Kerzen ist erstaunlich. So schlank die Kerzen sind - sie brennen locker 4-5 Stunden. Nur an den Anblick dieser ungewöhnlich hohen Kerzen, daran muss ich mich noch gewöhnen.



Macht es Euch schön und vor allem: pflegt Eure kleinen und großen Marotten, denn sie machen uns ein großes Stück auch aus! - Eure Jacqueline
(und nein, das folgende Foto ist nicht bearbeitet - es war ein Zufallsprodukt!)
 

Kommentare:

  1. "Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters". Ich habe das so noch nie gehört oder gelesen, aber das ist ein magischer Satz! Und der heutige Post ist herzerwärmend ❤

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  2. Hallo Jaqueline,ich revidiere ein bisschen meine Kommentar von vorhin: erst einmal grüßen :-)
    "Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters" - ein magischer Satz! Ich kann mich nicht erinnern das gehört oder gelesen zu haben, obwohl anno an der Uni Philosopie und Asthetik Pflichtfächer waren. Leider geht es mit meiner Memorie bergab:-) Dein heutiger Post ist (wieder) herzerwärmend und wunderschön ❤ Danke!
    LG Hemfeminin

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  3. Jacqui, ich weiß ja wirklich nicht, wie Du´s machst, dass Du die Posts in solch schnellem Tempo schreibst, so lange und solch gehaltvolle. Aber gut, da hab ich aufgehört, mich zu wundern, Du bist eben eines. Ein Wunder. Was Du den Lesern Deines Blogs schenkst, ich glaube, das merkst Du gar nicht.
    Und dieser Post heute, der war wieder ein großen "Ahaaa, ach, STIMMT ja überhaupt!"
    Deine Fähigkeit ist nicht nur das kreativ Sein. Deine Fähigkeit ist vor allem das Dekontextua... oi, also, ne, kann frau auch besser sagen: Das Herauslösen aus den Bewertungen. Zu sehen, richtig zu sehen, ohne Bewertungen. Alt und schrabbelig? Nö, guckt doch mal hin, seht die Magie, sagst Du. Mischt und komponierst, lässt ´was liegen, weil Du "das Auge" hast. Und das haben wenige - weil sie Bewertungen blind machen, oder zumindest schwersichtig ;))
    Auch ich habe schon oft gestaunt, wenn ich etwas bei Dir sah und bei mir dachte "ui, da war ich echt bisher blind auf einem Auge, Recht hat se ja überhaupt."
    Ein unglaublich schöner Post über Kindheit und Offenheit... und Prägung ;)) Ja, DAS kenne ich, bei mir war es vielleicht auch, dass meine Mutter so gar nichts in dieser Richtung machte, wer weiß?
    Und so bin ich gerne mit Dir mitgetippelt, durfte gucken, sah so einiges, (gut, die Püppis gefallen mir nach wie vor nicht, aber das weißte ja ;)), und war verzaubert von Deinen Gedanken und Bildern.
    Bestärkt hast Du mich damit einmal mehr.
    Und ich hätte doch zu gerne gesehen, wie Du mit dem Kopf in der Knöpfekiste steckst, hihi
    Wir sind uns so ähnlich und doch so unterschiedlich. Ich eher mühsam umständlich, Du eher mutig und voran, ich bin bekennender Knöpfehasser, Du liebst die. Das ist schön.
    Schön, dass es Dich gibt, ich schick Dir einen lieben Drücker und denke oft an Dich, Deine Méa

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  4. Und du Liebes, du bist die Summe von all diesen einzelnen Teilen. Nämlich ganz einmalig : )
    Dicken, warmen Meisjedrücker

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  5. Ich freue mich immer über die schönen Fotos und ich möchte mich bedanken für die schöne "Girlande Gansfederschmuck türkis" sie ist hier gut angekommen. Da Sie jetzt eine schwedische Luciakrone haben, dürfen Sie nicht vergessen, dass morgen am 13.12. ist der Luciatag in Schweden (meine Heimat)dann sollten Sie ein altes langes weisses Kleid/Nachthemd anziehen und die Luciakrone auf dem Kopf tragen. Lucia bringt Saffranhefebrötchen und Pfefferkuchen(Plätzchen). Viele liebe Grüße Mona Roth

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    1. ich musste so schmunzeln, als ich den Kommentar gelesen hab! - ich glaub, dann werde ich eingewiesen!!!!

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