Mittwoch, 15. März 2017

Meine "alte Hilde"................................

Tja, was würde ich wohl ohne meine "alte Hilde" machen?!?.....................



..................wer die "alte Hilde" ist? Hilde ist meine Nähmaschine - Baujahr 1960er Jahre - also etwa so alt wie ich. Noch eine echte Qualitätsmaschine ohne irgendwelchen neumodischen Computerkram, ziemlich ohne Schnörkel. Kann all das, was meiner Meinung nach eine Nähmaschine können sollte und schnurrt bei der Arbeit wie eine Katze, ist ein ganz fleissiges "Weib", quält sich tapfer durch die unmöglichsten Materialien, murrt eigentlich nie. Und wenn sie dann mal murrt, okay, dann hat sie tatsächlich was. Dann stimmt was nicht mit ihr! Dann hat sie keinen leichten Husten, dann ist es was Ernstes!................
 

................... Und genau solch ein Fall war vor etwa 10 Tagen: Ich wollte mich an einen Berg vorbereiteter Leinenkissen machen. Das mache ich immer so, dass ich einige Stücke vorbereite und en block arbeite. Denn es würde sich nun wirklich nicht lohnen, für eine einzelne Kissenhülle zur Auswahl das eingelagerte Leinen hervorzuholen, Bügeleisen und Bügelbrett, Lineal, Schere und was weiß ich noch alles aufzubauen, um dann diese eine Kissenhülle vorzubereiten und zu nähen. Das mache ich gerne mal abends in der Küche. Die sieht dann zwar aus wie ein "Schlachtfeld", aber es ist einfach gemütlich. Der Held sitzt dann oft dabei, wir unterhalten uns und ich schneide, bügle und hefte die Nähstücke vor. Und so lagert hier fast immer solch ein Stapel mit Stücken, die mich anlachen: näh uns endlich!............
 

.........wie gesagt, ich wollte nähen und auf einmal machte "Hilde" ein sehr häßliches Geräusch und sagte keinen Mucks mehr. Ich vergleiche Hilde immer mit einem alten VW Käfer. Man sieht sie ja heutzutage nur noch selten im Straßenverkehr - aber schöne Erinnerungen wecken sie allemal. Vor allem, da konnte man / Mann noch selbst dran schrauben! Wie oft hat mein Vater früher unter unserem alten weißen Käfer gelegen, hat dran rumgeschraubt, gehämmert, ausgebeult und danach lief er (der Käfer) wieder freudig durch die Straßen. Oder er (der Käfer) kam in einen urige Hinterhofwerkstatt, die Reparatur kostete eine "kleines Geld" und mein Vater war happy, wenn er seinen Käfer zurück hatte. Auch meine Tante hatte einen solchen ollen alten verbeulten Käfer und war glücklich damit. Naja, und meine Hilde ist wohl so ähnlich. Man kann auch heute noch nahezu alles an ihr wieder richten. Nur ich selbst natürlich nicht - nein, ich kann ja einiges, aber Hilde wieder zum laufen bringen, das schaffe ich nicht! Und ich weiß aus Erfahrung: solch eine Reparatur dauert ihre Zeit. Hilde muss erstmal nach Berlin gekarrt werden und die Werkstatt wartet nicht nur auf uns. Nunja, der Held bekam den "Auftrag", Hilde zur Reparatur zu bringen und ich suchte im 1,2,3-Auktionshaus nach einer "Ersatz-Hilde" für die Übergangszeit. Ich dachte mir, selbst wenn meine Hilde zu reapraieren war, eine Ersatzmaschine ist ja auch nicht verkehrt. Man weiß ja nie........Na, man glaubt es kaum - aber meine Hilde ist nicht die Hilde, die drauf steht! Laut Aufdruck ist sie eine Pfaff 360er Automatik - ABER schaut man sie genau an, ist sie eine 362er Automatik nur eben mit der falschen Beschriftung. ..............
 

..................Was mir ja eigentlich egal ist - aber wenn man genau das gleiche Maschinchen wieder haben will, ist das schon SEHR entscheidend! Also lange Rede: ich fand eine entsprechende Hilde mit dem Versprechen GENERALÜBERHOLT die auch einen halbwegs annehmbaren Preis hatte und die auch recht schnell eintraf. Doch, was soll ich sagen: diese alte "neue"  Hilde machte so garnicht, was sie sollte, sie war KAPUTT!!! Nee, da war echt der Wurm drin. Also Briefmarke auf den Popo und zurück. Und vorgestern nun, kam MEINE "alte Hilde" wieder zurück. Es war tatsächlich nur eine Kleinigkeit gewesen. Was war ich glücklich! Nun "schnurrt" sie wieder, meine "alte Hilde"............
 

.........und ich dachte mir, ich zeig Euch mal einen Teil von meinem Arbeitszimmer, in dem ich einen großen Teil des Tages verbringe. Das Arbeitszimmer liegt im 1. Stock, nimmt etwa ein Drittel der Grundfläche vom Haus ein und hat eine "offene" Decke - will heißen, geht bis in den Giebel (etwa 6m an der höchsten Stelle) mit entsprechend vielen Fenstern. Darum ist es auch so wunderbar hell (wenn der Nachbar regelmäßig seine Hecke zurückschneidet (aber das ist ein anderes Thema))............
 

..........Hinter der Bretterwand ist noch die gesamte Abseite - also genügend Stauraum für all den Kram, den man nicht täglich sehen will. In all den Kisten unter dem Tisch sind übrigens meine Lüsterschätze versteckt. Da hab ich mich von Mea anstecken lassen! Wenn ich irgendwann mal viel Zeit hab, dann will ich mich auch mal an einen defekten Lüster machen und ihn selbst neu "zusammenknüppern"! ............
 

...............Und alles, was in Reichweite sein muss, hat seinen Platz. Das Papiergeld ist übrigens altes entwertetes Geld aus der Inflationszeit! Nicht, dass hier ncoh einer denkt, wir haben es so üppig, dass es in den Regalen offen rumflattert...................



.....ich arbeite mit Freude mit alten Materialien und Werkzeugen. z.B. kommt KEINE neumodische Schere an eine alte handgeschmiedete Schere heran...........
 

.............. Da kann nichts abbrechen oder auseinanderfallen und irgendwann hab ich auch den Dreh herausbekommen, sie selbst nachzuschärfen. In der alten Box sind übrigens die Stecknadeln verstaut..........



...............eine defekte alte Terrine ist das Versteck für allerlei Nägel, Schrauben und Werkzeug, was ich immer mal schnell zur Hand brauche. Es macht nämlich keine Freude, wegen einem Nagel, den man in die Wand schlagen möchte, einmal quer durchs Haus in die Werkstatt zu rennen und später dann den Hammer wieder zurückzutragen!................



.......wenn alles schön verstaut ist, macht auch die Arbeit einfach mehr Spaß!.............
 

..................
 

...............dieses Regal füllt den Bereich zwischen Nähtisch und Arbeitsplatz...........
 

............bei den Geranienstecklingen hoffe ich sehr, dass wenigstens einige von ihnen Wurzeln ansetzen werden. Bei meiner Oma hat das früher immer geklappt. Sie hat sie einfach ins Wasserglas gesteckt und innerhalb kurzer Zeit hatten sie dann Wurzeln angesetzt. Nun hoffe ich, dass ich genauso viel Glück damit haben werde..................



........und rechts davon ist das "Allerheiligste" - mein Schreibtisch. Hier sitze ich auch grad und schreibe diesen Post. Da die Fenster gen Nordosten zeigen, ist es auch kein Problem, dass ich mit dem Bildschirm gegen das Licht arbeite. Übrigens rechts vom Schreibtisch ist die 2. Abseite. Die Fellträger haben dort einen weichen Platz und legen sich dort tagsüber zu gerne mal in ihre "Höhle"......
 

.......Überhaupt ist es schön! Alle Fellträger kommen tagsüber mal vorbei, stupsen mich für eine Kraulrunde an oder liegen einfach mal nur schnarchend im Weg....................



.......und so sah gestern mein "Tagwerk" aus - ich hab mich kaum von meiner Nähmaschine wegbewegt - hab genäht, als gäbe es kein morgen..............
 

........ich glaube, das Tagwerk (das ist ein Teil davon) von gestern kann sich sehen lasen................
 
.........ich hoffe, Euch haben die Einblicke inspiriert, dass man sich den Arbeitsplatz so schön als möglich machen sollte, denn so macht die Arbeit gleich doppelt viel Freude - Eure Jacqueline

Kommentare:

  1. Diesen Post erkläre ich hiermit zu meinem Lieblingspost bei Dir :-) Ich kann mich nicht satt sehen an Deinem Arbeitszimmer, den Materialien, den Werkzeugen und Behältnissen. Mein Werkelraum wird peu à peu in einen ähnlichen Wohlfühlort verwandelt, aber da trennen uns noch Welten. Was freue ich mich, das Hildchen wiederbelebt werden konnte! Und über die Ersatzhilde reden wir jetzt mal nicht mehr, Griff ins Klo. Meine olle Phönix hat ca. 10 Jahre mehr auf dem Buckel als Deine Hilde aber sie sehen sich schon sehr ähnlich. Weißt Du, wovor ich am meisten Angst habe? Das diese eigenartigen Anschlußstecker an der Maschine mal zerbröseln und keine solchen mehr zu bekommen sind. Dann haben wir die Pappnase auf. Das Geschäft, in dem meine Mutter die Maschine 1952 gekauft hat, gibt es Gott sei Dank immer noch und ich hoffe, das bleibt auch in den nächsten Jahrzehnten noch so. Nähmaschinen Gabriel in Bremen Walle, dem Stadtteil, in dem ich aufgewachsen bin.
    Liebe Grüße
    Karen
    PS: die Schneeglöckchen haben sich gut eingelebt...

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    1. Liebe karen, ich glaube, diese Stecker sind nicht wirklich das Problem - wesentlich dramatischer ist, wenn das Antriebspedal (liegt unter dem Tisch) mal verreckt. DAs hatte ich schonmal. Das war eine Kathastrophe. Zum Glück hatte die Werkstatt noch ein Ersatzexemplar. DAS und die diese Gummiringe, mit denen das Teil angetrieben wird, dass den Unterfaden auf die Spule lädt. DAS werden meine nächsten "Lageranschaffungen" werden. Diese Gummiringe sind tatsächlich noch aus Kautschuk und "nudeln" irgendwann aus.
      Ich freue mich sehr, dass es Dir bei mir gefällt.
      Und ich glaube, Du hast das Modell, dass meine Mutter auch noch hat - auf der hatte ich früher (heimlich) gelernt / geübt.
      Dann, auf dass die Schneeglöckchen sich freudig in Deinem schönen GArten vermehren!

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  2. was für ein toller Post von Hilde und dir :)
    jaaa, die alten Maschinchen halten einfach (fast) alles aus :)
    die Kissen sehen traumhaft aus und deine Werkstatt ...... seufz, soo was möchte ich auch ....
    liebe Grüße
    Manu

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    1. Ja, Manu, gegen diese alten Maschinen kommen die neuen Varianten mit tausenderlei Schnickschnack-Funktionen nicht an.
      Ist das schön - hast Du auch heimlich geübt? Ich auch, und meine Mutter war da wenig begeistert, zumal ich mir dann auch immer ihre Stoffe stiebitzt hab und sie darüber wenig amüsiert war.

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  3. Uiii, eine alte Pfaff! Ja das kann ich nur bestätigen, ich habe auch so ein "altes Schätzchen". Auch eine Pfaff. Mehrere Lagen oder Leder, alles näht sie ohne Probleme! Also ich kann dich gut verstehen.
    Mit dem Stauraum hast du natürlich was ganz Tolles. Bei mir liegt alles sichtbar herum, allerdings nur im Keller, ganz geheim;o) Aber ein paar Vierbeiner liegen bei mir auch herum, und das ist auch gut so :o)))
    herzliche Grüße sendet dir
    Marion

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    1. ja, Stauraum ist unbezahlbar - den möchte ich auch nicht mehr missen - auch wenn ich gerade mächtig ausmiste. Es häuft sich dann halt auch viel an, je mehr Stauplatz man so hat.

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  4. Dein Nähzimmer begeistert mich, es ist herrlich mit Licht vorm Fenster zu arbeiten. Meine Nähma steht auch seitlich beim Fenster. Allerdings hat mich mein Sohn mit einer neuen Maschine gesponsert, ich hatte eine Pfaff, so ca. 1975 erstanden, die hat es aber nicht so lange geschafft wie Deine tapfere Hilde.
    Die Bilder sind wieder soooo stimmig!
    Wie geht es Klein-Willi? Ich denke oft an die Feuchtnasen.
    Liebe Grüße aus Österreich,
    Eva

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    1. oh, das ist doch aber eine liebe Geste von Deinem Sohn! Ich hab das Glück, dass es in Berlin noch die Werkstatt gibt. Wollen wir hoffen, dass die noch recht lange existieren kann.

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  5. Ohhh, Gott sei Dank hatte das Hildchen nur was Kleines. Meine hatte damals was großes und seither habe ich eine s...teure neue Nähmaschine... die... kein Vergleich ist. War an meiner Alten beinahe alles schlau erdacht udn NICHT aus Plastik, ist meine Neue ein reiner Spielverderber. ich hasse seither das Nähen.
    Wundervoll, Dein Atelierchen zu besuchen (hihi, ne Klunkerkiste, jaaaa, das hat Potential ;))),
    und als das "herumliegende Schnarcherlein" sichtbar wurde, hab ich mich weggeschmissen. Herrlich!
    Meinen holden und völligst heillosen Respekt Deinen Nähkünsten, alles alles Liebe, Deine Méa, die auch mal "ran müsste", aber ... immer ne Ausrede findet ;)))

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    1. Na, vielleicht solltest Du dann doch nochmals drüber nachdenken, doch noch eine alte Maschine dazu zu kaufen - glaube mir, die Investition lohnt sich! Und grad Du, die doch auch das gute Alte so zu schätzen weiß! Glaub mir, dann sitzt Du auch wieder mit Freude beim nähen!

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  6. Ich möchte mich KarenHeyer anschließen,und nicht nur,weil ich auch in Bremen wohne....

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  7. Sowas wie deine Hilde und diese Qualität, das suchst du heute vergeblich! Die Maschinen heutzutage haben zwar jeden Blödsinn drauf, inkl. irgendwelchen Computerprogrammen, aber versuch mal mehr als 2 Lagen zu nähen- da ist das Scheitern vorprogrammiert! Ich erinnere mich an die Nähma meiner Grossmutti, die hatte an der Seite so einen langen Arm, den man mit dem Knie bewegen musste. Der setzte das Maschinchen dann in Gang. Ich hab darauf manchmal genäht, Puppenkleidchen und sowas. Ich seh' sie noch vor mir, in einem warmen Vanillegelb lackiert war sie, und fröhlich vor sich hingesummt hat sie.....
    Dein Nähzimmer ist wahnsinnig gemütlich, und obwohl ich heutzutage selten nähe find ich so eine Ansammlung von alten Stoffen, schönen Bändern, Litzen und Spitzen, Knöpfen und wasweissichsonstnochwas einfach nur herrlich! Deine Kissen sind wunderbar, es geht doch nichts über alte Leinenstoffe, die vom Leben den einen oder anderen Hieb verpasst bekommen haben. Das ganze neue Zeug, gerne noch aus billiger Baumwolle und lieblos hergestellt hat da nicht den Hauch einer Chance im Vergleich!
    Und wenn einem dann noch so eine charmante Assistentin zur Seite steht (bzw. im Wege liegt, *ggg*!) kann man doch ungeniert seine Tage hinter der Nähma verbringen! ;oD
    Habt es schön, ihr alle zusammen, herzliche Grüsse!

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    1. Ja, Frau Hummel - mich beglücken auch die alten Stoffe immer wieder - und die dürfen sogar sichtbar im REgal liegen, werden hier auch oft in die Deko eingebunden, weil ich sie eben so wunderschön finde. Und wer einmal seinen Kopf auf altes kühles Leinen gebettet hat, der wird nie wieder was anderes wollen - das neue Zeugs kannst Du nur in die Tonne hauen. Und zum Thema Gesundheit: Das alte Gewebe kam noch ohne Chemie aus!

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